Der Kunde bestimmt,
was im Topf landet

ruedi anlikerMaler stehen oft vor Problemzonen: Pilzbefall, strapazierte Oberflächen, Korrosion, Ausbleichungen. Diese Liste lässt sich schier endlos weiterführen. Auch werden schnelle Arbeit und perfekte Resultate erwartet. Ruedi Anliker kennt die Herausforderungen des Malerhandwerks. Er leitet seit Januar 2014 die Abteilung Forschung und Entwicklung bei Ruco. Neben seiner Arbeit im Labor ist er immer wieder gerne draussen bei den Kunden.
 

Herr Anliker, was zählt bei Baumalerprodukten?
Der Maler will sich auf immer gleiche Qualität verlassen. So muss die Farbe beispielsweise die immer gleiche Viskosität aufweisen. Natürlich sind auch gute Verarbeitungseigenschaften wie ein Top-Finish, Verlauf und schnelle Trocknung entscheidend. Hat der Maler einmal ein Problem mit einem Produkt, verzeiht er dir vielleicht noch. Beim zweiten Mal nimmt er dann den Hörer in die Hand. Wenn dann nichts passiert, wechselt er das Produkt …

Die Chemie muss also stimmen?
Genau. Bei uns geht jedes Produkt in die Qualitätskontrolle. Haben wir dennoch negative Rückmeldungen reagieren wir sehr schnell. Im Labor wird die Farbe oder der Lack modifiziert. Und bereits kurze Zeit später ist das Produkt verbessert und verfügbar.

Was sind die Trends bei Farben und Lacken?
Der grosse Trend sind Wasserlacke und umweltfreundliche Lacke. Bei Innenfarben wird immer mehr darauf geachtet, dass keine giftigen oder schädlichen Substanzen im Anstrichstoff vorhanden sind. Weitere Trends gibts im Zusammenhang mit der Anwendung. Es spart Zeit, wenn auf die Grundierung verzichtet werden kann und es nur einen Lackauftrag braucht. Es geht also ums rationelle Arbeiten.

Woher holen Sie sich die Inputs für Produktneuentwicklungen?
Die Inputs kommen direkt vom Markt. Von unseren Kunden also. Auch unzufriedene Kunden geben uns wichtige Inputs.

Das heisst, dass Sie nicht nur Zeit im Labor verbringen?
Ja, das ist mir sehr wichtig. Da gehts darum, die eigenen Produkte in der Anwendung, also in der Praxis zu sehen. Kundenfeedbacks einholen, zuhören. Das motiviert mich jedes Mal, wieder im Labor zu stehen und zu entwickeln.

Sie sind auch als Fachlehrer an der Berufsschule für Gestaltung in Zürich tätig. Was vermitteln Sie dem Nachwuchs?
Oft besprechen wir Schadenfälle und analysieren Beispiele aus der Praxis. Da gibt’s spannende Diskussionen: Was funktioniert, was nicht. Bereits hier zeigt sich, dass bewährte Produkte den Alltag erheblich erleichtern.

Ein Blick in die Zukunft: Wie sieht das Baumalerprodukt der Zukunft aus … ?
Ein Lack für alles. Also multifunktional einsetzbar. Keine Grundierungen, bessere Deckkraft, bessere Haftung, alle Vorteile in einem Produkt. Ein Traumlack also, der auch ökologisch und umweltfreundlich ist.

… und wie sieht der Malerberuf in 50 Jahren aus?
In Sachen Automation wird sich in den kommenden Jahren viel tun. So kann man heute schon mit Airmix-Spritzgeräten in kurzer Zeit Räume ausspritzen. Arbeiten werden rationalisiert und ersetzen da und dort Pinsel und Roller.

Raten Sie also jungen Menschen zu einer anderen Berufswahl?
Ganz und gar nicht. Das Malerhandwerk ist sehr kreativ und am Abend sieht man, was man geleistet hat. Ausserdem ist der Beruf enorm vielseitig. Da ist der Kundenkontakt und die Beratung, aber auch das Verständnis für Bauphysik und Bauchemie. Aus meiner Sicht eine Berufswahl mit Perspektive.


Rudolf Anliker jun. ist seit 2011 bei Rupf & Co. tätig. Er ist gelernter Chemielaborant und hat ein Chemiestudium an der Fachhochschule Wädenswil absolviert. Nebenberuflich ist er Fachlehrer an der Berufsschule für Gestaltung Zürich (Materialkunde und Bauphysik/-chemie.) Im Januar 2014 hat er die Leitung des Bereichs Forschung & Entwicklung von seinem Vater, Rudolf Anliker senior, übernommen.