Nach 47 Jahren ist Schluss

Elefanten uHannes Leibetsedernd Disponenten vergessen nie. Während der letzten 47 Jahre überwachte Ruco-Disponent Hannes Leibetseder die Kundenauslieferungen der Firma Ruco. Er kennt Fuhrpark, Avisierungen, Verwiegungen, Zollabwicklungen in- und auswendig. Nach 47 Jahren ist Schluss. Hannes Leibetseder geniesst den Ruhestand.

Die Pensionierung liegt nun drei Monate zurück. Heute findet sich Hannes Leibetseder zum Interviewtermin bei Ruco in Glattbrugg ein. Von seinen ehemaligen Kollegen wird er fast beiläufig begrüsst. Gerade so, als wäre er kurz zum Kaffeetrinken rausgegangen. Fürs Fotoshooting setzt er sich an seinen ehemaligen Arbeitsplatz, schaut sich beiläufig die offenen Aufträge auf dem Bildschirm an. Ist da wirklich Schluss nach 47 Jahren?

47 Jahre Ruco. Sind Sie in Ihrem Leben jemandem so lange treu gewesen?
(Denkt nach) … nein. Das war mein Leben. Das kann ich so sagen.
 
Wie verbringen Sie die nächsten 47 Jahre?
Für die nächsten 20 Jahre habe ich so eine ungefähre Ahnung …
 
Keine Angst vor Langeweile?
Nein (ein kategorisches Nein). Ich kann mich sehr gut beschäftigen. Es ist doch so, wenn man gesund ist, steht einem bei uns die Welt offen.
 
Haben Sie sich auf diesen Lebensabschnitt vorbereitet?
Absolut nicht. Ich habe so viele Interessen und jetzt die Zeit dazu, zu tun und zu lassen, was ich will.
 
Haben Sie einen Rat für Kollegen, die mitten im Berufsleben stehen?
Nicht zu viel planen. Das habe ich in den Berufsjahren als Disponent täglich erlebt. Da stellte sich heute die Frage: was muss morgen beim Kunden sein. Es lässt sich nicht alles vorausplanen. So übrigens auch im Privaten. Da plane oder buche ich nie etwas vorab. Für meine Frau nicht immer ganz einfach.

Was hielt Sie so lange bei der gleichen Firma?
Nach meiner Ausbildung in Österreich, kam ich um 1970 in die Schweiz. Damals stand die Schwarzenbach-Initiative* zur Abstimmung. Ich musste in den ersten Jahren eine Bestätigung des Arbeitgebers und auch Vermieters vorlegen. Ein Jobwechsel war nicht einfach. Was mich dann aber bei Ruco hielt, war das Familiäre, die Kollegen, eine Tätigkeit, wo ich etwas bewegen konnte.
*Anm. d. Red.: Eine Überfremdungsinitiative, die den Anteil der ausländischen Bevölkerung in allen Kantonen auf 10 Prozent begrenzen wollte. Die Initiative wurde im Oktober 1974 mit 54 % Nein-Stimmen verworfen.
 
Was hat sich an Ihrer Arbeit in den letzten 47 Jahren verändert?
Ein anschauliches Beispiel ist, dass es zu Beginn meiner Karriere noch keine Europaletten gab und auch keine Ladebühnen. Wir stapelten die Ware in Kisten aufeinander. Pech hatte jeweils der Chauffeur, der die unterste Kiste brauchte. Generell hatte man mehr Zeit. Bestellungen kamen per Post rein, wurden verarbeitet – damals natürlich manuell –und eine Woche später war die Lieferung dann beim Kunden. Heute hat der Kunde das Lager auf der Strasse.

Was haben Sie als Disponent bei Ruco geprägt?
Ich setzte mich anfangs mit ins Fahrzeug, bemass Lieferzeiten für die Tourenpläne und erarbeitete Grundlagen, die heute noch Gültigkeit haben. So beispielsweise die Fuhrnummern, die ich damals einführte und
welche heute noch aktuell sind.
 
Wie hat sich Ruco verändert?
Ich erlebte den Wandel vom kleinen Familienbetrieb zum mittelgrossen Unternehmen mit 130 Angestellten und eigenen Verkaufsstellen. Ich habe das stetige Wachstum und damit verbunden diverse Bauphasen miterlebt. Heute entwickelt Ruco eigene Produkte in der hochmodernen Produktion und beliefert neben Malern auch die Industrie und Baubranche. Sicher revolutionär war die Einführung eines eigenen Mischsystems.  Das erschloss neue Märkte.

Gibts eine lustige Anekdote aus den ersten Berufsjahren?
Den Dieselmotoren unserer Fahrzeugflotte machte im Winter die Kälte zu schaffen. So behalfen wir uns beim Anwärmen des Tanks mit einem kleinen Feuer unterm Fahrzeug.

Raten davon Fachleute heute nicht eher ab?
Klar! Spass beiseite. Dieselkraftstoff, aber auch die Motoren wurden in den letzten Jahren weiterentwickelt.
 
Man hat Sie heute so selbstverständlich empfangen hier in Glattbrugg, dass ich kaum glaube, dass Sie schon drei Monate weg sind …
Ich schaue öfters vorbei und treffe mich regelmässig mit meinen Kollegen zum Feierabendbier. Mit Emil Tobler, dem Mitinhaber, war ich kürzlich in den Ferien. Das sind Freundschaften fürs Leben.

Was wünschen Sie sich für Ruco zum 100-Jahr-Jubiläum?
Dass der Geist des Familienbetriebs weiterlebt. Eben die richtige Mischung aus guter Tradition mit den Innovationen, die es braucht, um sich auch weiterhin in der Branche zu behaupten.

Ist das im Bereich des Möglichen?
Ja, absolut.

Hannes Leibetseder ist gebürtiger Österreicher und leidenschaftlicher Cabrio-Fahrer. Gemeinsam mit seiner Frau entdeckt er auf vier Rädern die Welt und schätzt den Kontakt mit den Menschen verschiedener Länder. Leibetseder ist gelernter Kaufmann mit 47 Berufsjahren als Disponent bei Ruco und überwachte jeden Tag über 20 000 kg Kundenlieferungen.